Leider habe ich das klicken der Handschellen nicht selbst gehört, aber es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass die geklickt haben - und zur Abwechslung mal nicht nur bei den kleinen Fischen sondern bis in höchste Ebene: Bürgermeister, Stadtrat, ehemalige Minister…
Einige werden es geahnt haben, es geht um das leidigste Thema in Estland: Korruption. Laut Transparency International liegt Estland weiterhin hinter vielen Ländern der EU zurück, doch das sollte sich bald ändern -. wenn die jüngsten Erfolge der Polizei in die Wertung einfliessen: 2003 hatte die damalige Regierung von Juhan Parts das Budget und die Befugnisse der Anti-Korruptions-Behörde stark erhöht, dieses Jahr erntete man die Früchte dieser Politik. So wurden unter anderem der Bürgermeister von Pärnu (und auch sein stellvertreter, beide von der Center Party) verhaftet, mehrere Vorstandsmitglieder von Merko, der grössten Baufirma, ein ehemaliger Minister und der 2te Mann der Center Party von Edgar Savisaar, Mitarbeiter der Tallinner Stadtverwaltung, etc etc…
Das gerade in der Tallinner Stadtverwaltung korrupte Verhältnisse vorherrsche,n war länger bekannt. Im Sommer etwa schlug ein deutscher Unternehmer Alarm, da die Stadt versuchte, lukrative Standorte in der Altstadt für Kioske durch unmögliche Fristen einem Freund des Bürgermeisters zuzuschachern. Unter dem Druck der Öffentlichkeit zog die Stadt die Sache vorerst zurück und veranstaltete eine korrekte Ausschreibung - am Ergebnis dürfte das zwar wenig ändern, aber immerhin zeigte der Vorfall, dass die Öffentlichkeit nicht mehr alles einfach so hinnimmt.
Es wird sicherlich noch viel Zeit vergehen, bis die Korruption in Estland ganz verschwunden ist. Der Traum vom grossen Geld ist in Osteuropa natürlich immer noch da, der Kapitalismus und die freie Marktwirtschaft haben viele menschen schnell reich werden lassen, die jetzt als Vorbild dienen und schlussendlich: Im real-existierenden Sozialismus war Korruption an der Tagesordnung, es war einfach normal sich durch Geschenke Vorteile zu verschaffen. Die Erfolge der Polizei und auch gerade die Tatsache, dass die Verhaftungen in die höchsten Kreise gehen zeigen, dass man hier auf einem gute Weg ist.
Autor: Erik Petersenn
Tags: Korruption, Savisaar